Unsere Junior-Trainerinnen mit Girls for Girls in der 2. Runde

|

Julia Harms

Neue Auf­ga­ben-Ver­trä­ge und Refle­xi­ons­bö­gen beglei­ten unse­re Trai­ne­rin­nen dabei, mehr Ver­ant­wor­tung in der Hal­le zu über­neh­men.

Den Start der neu­en Sai­son 2026/27 nach den Pfingst­fe­ri­en haben wir genutzt, um die Trainer:innen-Teams neu zu mischen. Man­che Juni­or-Trai­ne­rin­nen sind jetzt bei einer ande­ren Head­coach, in einer ande­ren Alters­klas­se oder mit ande­ren Juni­or-Trai­ne­rin­nen in einer Grup­pe. So kön­nen alle das bereits Gelern­te in einem ande­ren Set­ting aus­pro­bie­ren, müs­sen Wis­sen trans­fe­rie­ren und in der neu­en Kon­stel­la­ti­on ande­re Rol­len ein­neh­men.

Ins­ge­samt sind jetzt 10 Junior-Trainer:innen fest den Teams der U8 bis zur U12 zuge­teilt. Zwei Mäd­chen star­ten gera­de neu. Wei­te­re Anwär­te­rin­nen ste­hen schon in den Start­lö­chern – sie unter­stüt­zen bei ein­zel­nen Events wie Unter­neh­mens­fes­ten, Schul­fei­ern, Schnup­per­trai­nings, …

Das Wichtigste in Kürze

  • Ent­wick­lungs­zie­le wach­sen mit: Die Trai­ne­rin­nen-Ver­trä­ge zei­gen jetzt den gan­zen Weg von der Juni­or-Trai­ne­rin bis zur Head­coach – und wer­den mit Kurz-Refle­xio­nen nach jedem Trai­ning leben­dig gehal­ten.
  • Refle­xi­on schafft Ver­bin­dung: Die Bögen sind nicht nur Selbst­aus­kunft, son­dern wer­den zum Anker für Gesprä­che im Team.
  • Ord­nung für den Trai­nings­all­tag: Die neue Trai­nings­map­pe bün­delt Refle­xio­nen, Trai­nings­in­hal­te und Team­in­fos an einem Ort.

Entwicklungsziele im Fokus

Als wir die Sai­son vor den Pfingst­fe­ri­en mit Feed­back-Gesprä­chen in jedem Trai­ne­rin­nen-Team beschlie­ßen, müs­sen wir erst­mal die alten Ver­trä­ge mit den ver­ein­bar­ten Auf­ga­ben und Ver­ant­wort­lich­kei­ten her­aus­kra­men. Wor­auf hat­ten wir uns geei­nigt? Was woll­test du ler­nen?

Dazu kamen die Ergeb­nis­se des vor­an­ge­gan­ge­nen Feed­back­ge­sprächs, das wir mit jeder Grup­pe unge­fähr zur Hälf­te der Sai­son geführt haben. In ein­zel­nen Teams hat­te es dar­über hin­aus unter­schied­lich struk­tu­rier­te Trai­nings­re­fle­xio­nen gege­ben: in der U8 auf Zet­teln, jede Juni­or-Trai­ne­rin für sich, bei der U10 in einem kur­zen gemein­sa­men Gespräch Head-Coach und Juni­or-Trai­ne­rin­nen nach jedem Trai­ning.

Es gab also viel, auf das wir zurück­schau­en konn­ten, das wir ein­ord­nen und bewer­ten konn­ten zum Sai­son­ende. Aber es war nicht nach­hal­tig ver­an­kert in unse­rem Trai­nings­all­tag und es war nicht ein­heit­lich bei den Teams bzw. für alle Trai­ne­rin­nen. Das haben wir zum Start der neu­en Sai­son 2026/27 ver­bes­sert, um vor allem die indi­vi­du­el­len Ent­wick­lungs­zie­le bes­ser in den Blick zu neh­men:

  1. Die Trai­ne­rin­nen-Ver­trä­ge bil­den jetzt alle Auf­ga­ben von der Juni­or-Trai­ne­rin bis zum Head­coach ab.
  2. Mit jeder Trai­ne­rin wird ein­zeln bespro­chen, wo sie in die­ser Ent­wick­lung steht und was sie als Nächs­tes ler­nen möch­te.
  3. Die­sen indi­vi­du­el­len Ent­wick­lungs­zie­len wird mit einer Kurz-Refle­xi­on bei jedem Trai­ning nach­ge­fasst.
  4. Damit haben wir eine gute Basis für per­sön­li­che Ent­wick­lung und kön­nen jeder­zeit dar­auf zurück­grei­fen.

Entwicklung sichtbar machen: ein Aufgaben-Vertrag, der mitwächst

In der letz­ten Sai­son hat­ten wir die Auf­ga­ben der Juni­or-Trai­ne­rin­nen noch mit ihnen selbst erar­bei­tet. Dar­aus ist inzwi­schen ein gan­zes Auf­ga­ben-Pro­fil ent­stan­den, das alle Tätig­kei­ten und Ver­ant­wort­lich­kei­ten abdeckt: von den Anfän­gen als Juni­or-Trai­ne­rin bis zur haupt­ver­ant­wort­li­chen Head­coach.

Links ein Aus­schnitt aus den Ver­trä­gen von 2025/26, rechts die neu­en Ver­trä­ge 2026/27, die Ent­wick­lungs-Per­spek­ti­ve auf­zei­gen und indi­vi­du­el­le Schwer­punk­te ermög­li­chen.

Damit wol­len wir den Jün­ge­ren klar­ma­chen, wohin die Rei­se für sie gehen kann, und gleich­zei­tig sicht­bar machen, was alles ehren­amt­lich geleis­tet wird. Alle Auf­ga­ben, die man bereits meis­tert und ohne gro­ßes Nach­den­ken umsetzt, hakt man im eige­nen Ver­trag ein­fach ab. Ein­ge­kreist wird, wel­che Tätig­kei­ten man als nächs­tes näher in den Fokus neh­men möch­te. Dazu ergänzt man eige­ne Noti­zen.

Mit Reflexion zum Fokus-Ziel

Eins die­ser Fokus-Zie­le wan­dert sofort auf den neu gestal­te­ten Refle­xi­ons­bo­gen und wird in den nächs­ten Trai­nings­wo­chen aus­pro­biert. Als Zeit­rah­men neh­men wir die Ein­hei­ten zwi­schen zwei Schul­fe­ri­en – meis­tens also so 5–7 Trai­nings, in denen man sich aus­pro­bie­ren und üben kann. Wie gut die Umset­zung in jedem Trai­ning geklappt hat, hal­ten die Juni­or-Trai­ne­rin­nen eigen­stän­dig fest und schrei­ben sich selbst Anmer­kun­gen dazu.

Wie wir unsere Kurz-Reflexion gestalten:

  • Gleich oben kommt das Ent­wick­lungs­ziel hin, evtl. mit der Mög­lich­keit für wei­te­re Anmer­kun­gen. Die hel­fen vor allem Trai­ne­rin­nen, die schon ers­te Erfah­run­gen gesam­melt haben und ihr Ziel genau­er defi­nie­ren wol­len.
  • Ein­fa­che Bewer­tung mit 4 Fel­dern: Am Anfang wür­den die Trai­ne­rin­nen immer ger­ne die nicht-vor­han­de­ne Mit­te wäh­len, wir wol­len aber expli­zit eine Ein­schät­zung – von ziem­lich schlecht bis rich­tig gut. Manch­mal ist das hart, aber halb-halb ist ja auch kei­ne Mei­nung.
  • Offe­ne Text­fel­der: Die Trai­ne­rin­nen nut­zen sie ganz unter­schied­lich. Man­che schrei­ben hin, was war, ande­re, was sie als Nächs­tes aus­pro­bie­ren möch­ten. Immer ist es ein guter Anker für den nächs­ten Ent­wick­lungs­schritt.

Wofür so ein Reflexionsbogen gut ist:

Ler­nen erfolgt nicht line­ar! Die Trai­ne­rin­nen sehen an der eige­nen Bewer­tung, dass sie nicht am Anfang alles schlecht gemacht haben und es am Ende der knapp 6 Wochen ein­fach supi läuft. Es ist eher ein Auf und Ab. Manch­mal hat man ein­fach einen schlech­ten Tag. Manch­mal liegt es dar­an, dass sie sich am Anfang viel zu gut ein­ge­schätzt und dann erst ent­deckt haben, was man noch alles bes­ser machen könn­te. Manch­mal klappt ein Aspekt, den man sich vor­ge­nom­men hat, so gut, dass damit alles gewuppt ist.
All das gehört zum Ler­nen dazu.

Was uns beson­ders freut: Alle Mäd­chen bewer­ten die eige­ne Leis­tung immer mal wie­der als sehr gut. Wer viel mit Jugend­li­chen arbei­tet oder sich sonst mal mit dem Impos­ter-Syn­drom aus­ein­an­der­ge­setzt hat, weiß, was das für eine Errun­gen­schaft ist! Mit Feh­lern zu leben und eige­ne Erfol­ge wert­schät­zen zu kön­nen, ist ein Rie­sen­schritt für ein gesun­des Selbst­be­wusst­sein.

Dar­über hin­aus sind die Refle­xi­ons­bö­gen für vie­le der Jugend­li­chen ein guter Anker im Gespräch. Sie kön­nen auf ihre eige­nen Noti­zen und Ideen zurück­grei­fen, statt spon­tan eine Rück­mel­dung geben zu müs­sen – gera­de gegen­über Erwach­se­nen ist das nicht allen leicht­ge­fal­len. Und vie­le hat­ten ihre eige­ne Ent­wick­lung vor­her auch ein­fach nicht so im Blick.

Gemeinsam arbeiten im Trainerinnen-Team

Damit nicht alles in einer gro­ßen Zet­tel­wirt­schaft ver­schwin­det, hat die­se Sai­son jedes Trai­ne­rin­nen-Team eine eige­ne Trai­nings­map­pe bekom­men. Das macht allen die Umset­zung leich­ter: Hier hat jede Juni­or-Trai­ne­rin ihren eige­nen Tab mit den Refle­xi­ons­bö­gen, aber auch Platz für ande­re Trai­nings­be­ob­ach­tun­gen oder um sich bei­spiels­wei­se neue Spie­le auf­zu­schrei­ben.

Im vor­de­ren Bereich fin­det sich alles, was all­ge­mein das Team betrifft:

  • Eine Lis­te mit den Namen aller Spie­le­rin­nen – hier machen die Juni­or-Trai­ne­rin­nen reih­um den Check-in; so lernt man schnell alle ken­nen und hat einen Über­blick über die Trai­nings­be­tei­li­gung.
  • Eine Lis­te der Lieb­lings­spie­le – für wenn zwi­schen­drin mal Zeit ist, die eige­ne Krea­ti­vi­tät begrenzt ist oder die Spie­le­rin­nen einen extra Schub Moti­va­ti­on brau­chen.
  • Die Inhal­te der ein­zel­nen Trai­nings­ein­hei­ten: ein paar Tage vor­her wur­den sie schon in der Signal-Grup­pe geteilt, jetzt hängt man sie am Anfang vom Trai­ning ans White­board. So hat jede Trai­ne­rin den Über­blick, was heu­te dran ist, ohne ins Han­dy zu schau­en. Vor allem sieht man direkt, wer für wel­chen Teil zustän­dig ist – so kann man schon das nächs­te Spiel vor­be­rei­ten, wäh­rend alle Kin­der noch mit dem vor­he­ri­gen beschäf­tigt sind.
  • Die Trai­nings­zie­le für das Team, meis­tens Bas­ket­ball-spe­zi­fisch – mit Platz für Beob­ach­tun­gen, was genau den Spie­le­rin­nen schwer­fällt oder wel­che Aspek­te wir in den Vor­der­grund rücken wol­len.

Bereit für die nächste Runde

Wir freu­en uns, dass unse­re Jugend­li­chen ger­ne wei­ter­ma­chen als Juni­or-Trai­ne­rin­nen. Sie wis­sen sich bei Artio gut beglei­tet und genie­ßen es, als Ver­ant­wort­li­che in der Hal­le zu ste­hen. Der Start in die 2. Run­de von Girls for Girls war ein guter Zeit­punkt, um zu schau­en, wie wir noch bes­ser gemein­sam wach­sen kön­nen: Die neu­en Auf­ga­ben-Ver­trä­ge und Refle­xi­ons­bö­gen sind dafür eine gute Grund­la­ge. So wis­sen alle, wo sie ste­hen – und haben eine Per­spek­ti­ve für ihre wei­te­re Ent­wick­lung.

Dank

  • An Bar­ba­ra, die über­all mit­ge­dacht und das Gan­ze in die Pra­xis umge­setzt hat.
  • An Sil­ja Hintz, die mit ihrem Work­shop bei First Steps, den Anstoß gege­ben hat, mehr über Ent­wick­lungs­zie­le nach­zu­den­ken.
  • An die adi­das Stif­tung, die uns bei Girls for Girls finan­zi­ell unter­stützt.

Wer im Ver­ein gera­de erst anfängt Jugend­li­che als Trainer:innen zu inte­grie­ren, fin­det bei der Fuß­ball-Basis einen guten Ein­stieg: Juni­or-Coa­ches auf­bau­en