Neue Aufgaben-Verträge und Reflexionsbögen begleiten unsere Trainerinnen dabei, mehr Verantwortung in der Halle zu übernehmen.


Den Start der neuen Saison 2026/27 nach den Pfingstferien haben wir genutzt, um die Trainer:innen-Teams neu zu mischen. Manche Junior-Trainerinnen sind jetzt bei einer anderen Headcoach, in einer anderen Altersklasse oder mit anderen Junior-Trainerinnen in einer Gruppe. So können alle das bereits Gelernte in einem anderen Setting ausprobieren, müssen Wissen transferieren und in der neuen Konstellation andere Rollen einnehmen.
So sind wir letztes Jahr ins Projekt gestartet:
Girls for Girls – Empowering Future Leaders: Erste Schritte ins Projekt
Insgesamt sind jetzt 10 Junior-Trainer:innen fest den Teams der U8 bis zur U12 zugeteilt. Zwei Mädchen starten gerade neu. Weitere Anwärterinnen stehen schon in den Startlöchern – sie unterstützen bei einzelnen Events wie Unternehmensfesten, Schulfeiern, Schnuppertrainings, …
Das Wichtigste in Kürze
- Entwicklungsziele wachsen mit: Die Trainerinnen-Verträge zeigen jetzt den ganzen Weg von der Junior-Trainerin bis zur Headcoach – und werden mit Kurz-Reflexionen nach jedem Training lebendig gehalten.
- Reflexion schafft Verbindung: Die Bögen sind nicht nur Selbstauskunft, sondern werden zum Anker für Gespräche im Team.
- Ordnung für den Trainingsalltag: Die neue Trainingsmappe bündelt Reflexionen, Trainingsinhalte und Teaminfos an einem Ort.
Entwicklungsziele im Fokus
Als wir die Saison vor den Pfingstferien mit Feedback-Gesprächen in jedem Trainerinnen-Team beschließen, müssen wir erstmal die alten Verträge mit den vereinbarten Aufgaben und Verantwortlichkeiten herauskramen. Worauf hatten wir uns geeinigt? Was wolltest du lernen?
Dazu kamen die Ergebnisse des vorangegangenen Feedbackgesprächs, das wir mit jeder Gruppe ungefähr zur Hälfte der Saison geführt haben. In einzelnen Teams hatte es darüber hinaus unterschiedlich strukturierte Trainingsreflexionen gegeben: in der U8 auf Zetteln, jede Junior-Trainerin für sich, bei der U10 in einem kurzen gemeinsamen Gespräch Head-Coach und Junior-Trainerinnen nach jedem Training.
Es gab also viel, auf das wir zurückschauen konnten, das wir einordnen und bewerten konnten zum Saisonende. Aber es war nicht nachhaltig verankert in unserem Trainingsalltag und es war nicht einheitlich bei den Teams bzw. für alle Trainerinnen. Das haben wir zum Start der neuen Saison 2026/27 verbessert, um vor allem die individuellen Entwicklungsziele besser in den Blick zu nehmen:
- Die Trainerinnen-Verträge bilden jetzt alle Aufgaben von der Junior-Trainerin bis zum Headcoach ab.
- Mit jeder Trainerin wird einzeln besprochen, wo sie in dieser Entwicklung steht und was sie als Nächstes lernen möchte.
- Diesen individuellen Entwicklungszielen wird mit einer Kurz-Reflexion bei jedem Training nachgefasst.
- Damit haben wir eine gute Basis für persönliche Entwicklung und können jederzeit darauf zurückgreifen.
Entwicklung sichtbar machen: ein Aufgaben-Vertrag, der mitwächst
In der letzten Saison hatten wir die Aufgaben der Junior-Trainerinnen noch mit ihnen selbst erarbeitet. Daraus ist inzwischen ein ganzes Aufgaben-Profil entstanden, das alle Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten abdeckt: von den Anfängen als Junior-Trainerin bis zur hauptverantwortlichen Headcoach.

Damit wollen wir den Jüngeren klarmachen, wohin die Reise für sie gehen kann, und gleichzeitig sichtbar machen, was alles ehrenamtlich geleistet wird. Alle Aufgaben, die man bereits meistert und ohne großes Nachdenken umsetzt, hakt man im eigenen Vertrag einfach ab. Eingekreist wird, welche Tätigkeiten man als nächstes näher in den Fokus nehmen möchte. Dazu ergänzt man eigene Notizen.
Mit Reflexion zum Fokus-Ziel
Eins dieser Fokus-Ziele wandert sofort auf den neu gestalteten Reflexionsbogen und wird in den nächsten Trainingswochen ausprobiert. Als Zeitrahmen nehmen wir die Einheiten zwischen zwei Schulferien – meistens also so 5–7 Trainings, in denen man sich ausprobieren und üben kann. Wie gut die Umsetzung in jedem Training geklappt hat, halten die Junior-Trainerinnen eigenständig fest und schreiben sich selbst Anmerkungen dazu.
Wie wir unsere Kurz-Reflexion gestalten:
- Gleich oben kommt das Entwicklungsziel hin, evtl. mit der Möglichkeit für weitere Anmerkungen. Die helfen vor allem Trainerinnen, die schon erste Erfahrungen gesammelt haben und ihr Ziel genauer definieren wollen.
- Einfache Bewertung mit 4 Feldern: Am Anfang würden die Trainerinnen immer gerne die nicht-vorhandene Mitte wählen, wir wollen aber explizit eine Einschätzung – von ziemlich schlecht bis richtig gut. Manchmal ist das hart, aber halb-halb ist ja auch keine Meinung.
- Offene Textfelder: Die Trainerinnen nutzen sie ganz unterschiedlich. Manche schreiben hin, was war, andere, was sie als Nächstes ausprobieren möchten. Immer ist es ein guter Anker für den nächsten Entwicklungsschritt.


Wofür so ein Reflexionsbogen gut ist:
Lernen erfolgt nicht linear! Die Trainerinnen sehen an der eigenen Bewertung, dass sie nicht am Anfang alles schlecht gemacht haben und es am Ende der knapp 6 Wochen einfach supi läuft. Es ist eher ein Auf und Ab. Manchmal hat man einfach einen schlechten Tag. Manchmal liegt es daran, dass sie sich am Anfang viel zu gut eingeschätzt und dann erst entdeckt haben, was man noch alles besser machen könnte. Manchmal klappt ein Aspekt, den man sich vorgenommen hat, so gut, dass damit alles gewuppt ist.
All das gehört zum Lernen dazu.
Was uns besonders freut: Alle Mädchen bewerten die eigene Leistung immer mal wieder als sehr gut. Wer viel mit Jugendlichen arbeitet oder sich sonst mal mit dem Imposter-Syndrom auseinandergesetzt hat, weiß, was das für eine Errungenschaft ist! Mit Fehlern zu leben und eigene Erfolge wertschätzen zu können, ist ein Riesenschritt für ein gesundes Selbstbewusstsein.
Lust, Artio mitzugestalten?
Vom Coaching bis zur Vereinsarbeit – hier findest du passende Möglichkeiten:
Darüber hinaus sind die Reflexionsbögen für viele der Jugendlichen ein guter Anker im Gespräch. Sie können auf ihre eigenen Notizen und Ideen zurückgreifen, statt spontan eine Rückmeldung geben zu müssen – gerade gegenüber Erwachsenen ist das nicht allen leichtgefallen. Und viele hatten ihre eigene Entwicklung vorher auch einfach nicht so im Blick.
Gemeinsam arbeiten im Trainerinnen-Team
Damit nicht alles in einer großen Zettelwirtschaft verschwindet, hat diese Saison jedes Trainerinnen-Team eine eigene Trainingsmappe bekommen. Das macht allen die Umsetzung leichter: Hier hat jede Junior-Trainerin ihren eigenen Tab mit den Reflexionsbögen, aber auch Platz für andere Trainingsbeobachtungen oder um sich beispielsweise neue Spiele aufzuschreiben.


Im vorderen Bereich findet sich alles, was allgemein das Team betrifft:
- Eine Liste mit den Namen aller Spielerinnen – hier machen die Junior-Trainerinnen reihum den Check-in; so lernt man schnell alle kennen und hat einen Überblick über die Trainingsbeteiligung.
- Eine Liste der Lieblingsspiele – für wenn zwischendrin mal Zeit ist, die eigene Kreativität begrenzt ist oder die Spielerinnen einen extra Schub Motivation brauchen.
- Die Inhalte der einzelnen Trainingseinheiten: ein paar Tage vorher wurden sie schon in der Signal-Gruppe geteilt, jetzt hängt man sie am Anfang vom Training ans Whiteboard. So hat jede Trainerin den Überblick, was heute dran ist, ohne ins Handy zu schauen. Vor allem sieht man direkt, wer für welchen Teil zuständig ist – so kann man schon das nächste Spiel vorbereiten, während alle Kinder noch mit dem vorherigen beschäftigt sind.
- Die Trainingsziele für das Team, meistens Basketball-spezifisch – mit Platz für Beobachtungen, was genau den Spielerinnen schwerfällt oder welche Aspekte wir in den Vordergrund rücken wollen.
Bereit für die nächste Runde
Wir freuen uns, dass unsere Jugendlichen gerne weitermachen als Junior-Trainerinnen. Sie wissen sich bei Artio gut begleitet und genießen es, als Verantwortliche in der Halle zu stehen. Der Start in die 2. Runde von Girls for Girls war ein guter Zeitpunkt, um zu schauen, wie wir noch besser gemeinsam wachsen können: Die neuen Aufgaben-Verträge und Reflexionsbögen sind dafür eine gute Grundlage. So wissen alle, wo sie stehen – und haben eine Perspektive für ihre weitere Entwicklung.
Dank
- An Barbara, die überall mitgedacht und das Ganze in die Praxis umgesetzt hat.
- An Silja Hintz, die mit ihrem Workshop bei First Steps, den Anstoß gegeben hat, mehr über Entwicklungsziele nachzudenken.
- An die adidas Stiftung, die uns bei Girls for Girls finanziell unterstützt.
Wer im Verein gerade erst anfängt Jugendliche als Trainer:innen zu integrieren, findet bei der Fußball-Basis einen guten Einstieg: Junior-Coaches aufbauen
