



Die Türen der adidas Arena öffnen sich: Einzeln oder in kleinen Gruppen kommen die jungen Frauen rein und machen große Augen – oder schon gleich die ersten Fotos. Das Setting ist beeindruckend, der Check-in am Terminal aufregend und dann gibt es noch Lanyards, Mappen, Konferenzunterlagen. Es fühlt sich groß an und wichtig.
So beginnt First Steps 2026.
Dabei ist genau das keine Selbstverständlichkeit. Frauen im Basketball fühlen sich oft allein – und sie sind es auch: weniger als ein Viertel aller Mitglieder im deutschen Basketball sind weiblich. Noch weniger sind es unter den Trainerinnen, Schiedsrichterinnen und anderen Personen mit Verantwortung. Wer sich als junge Frau im Basketball engagiert, ist deshalb tatsächlich oft die Einzige im Raum. Und muss sich nicht nur in ihrer Funktion behaupten, sondern auch als Persönlichkeit.
First Steps setzt genau da an: jungen Frauen Werkzeuge und Methoden an die Hand zu geben, um gut in ihrem Job zu sein, und ihnen gleichzeitig Raum zu geben, um herauszufinden, wie sie ihre Rolle ausfüllen möchten – in einem Umfeld, das sie stärkt.
Gelernt habe ich, dass wir einfach eine große Community sind, dass es sich voll lohnt, so viel Zeit darein zu stecken als Trainerin oder als Schiedsrichterin, weil wir einfach so viele Frauen sind, die Bock darauf haben, Basketball zu spielen.
C., Teilnehmerin
Abwechslungsreiches Programm über den ganzen Tag
Der Tag war voll gepackt mit Programm: Vormittags und Nachmittags je ein Workshop, dazwischen Mittagessen und Power-Sessions. Der adidas Campus in Herzogenaurach bot dafür den idealen Rahmen: weitläufiges Außengelände, ein Lounge-Bereich zum Zusammenkommen, Platz für Bewegung zwischen den Blöcken, Räume für konzentriertes Arbeiten.
Der Tag ist sehr schnell vergangen und hatte für mich die perfekte Länge, um danach nicht total erschöpft, aber voller gutem Input und Positivität zu sein.
Teilnehmerin im anonymen Feedback



Die Workshops – Input und Interaktion für junge Teilnehmerinnen
Jede Teilnehmerin wählte bei der Anmeldung zwei Workshops — einen für den Vormittag, einen für den Nachmittag. Sechs Themen standen zur Auswahl, geleitet von Expertinnen aus ganz unterschiedlichen Feldern – einige direkt von adidas.
Deine Werte als innerer Kompass an der Seitenlinie.

Als Schiedsrichterin pfeifst du ab. Als Trainerin entscheidest du, wer spielt. Welche Werte leiten diese Entscheidungen? Der Workshop half den Teilnehmerinnen, ihre persönliche Linie zu klären und einen inneren Leitfaden für konsequentes Handeln zu entwickeln.
Luisa Tillmann, Coach für Freude und Leichtigkeit im Job; Leadership & Team Effectiveness Director bei adidas
Zusammenfassung auf Instagram (kombiniert mit dem Feedback-Workshop)
Coach your Brain – entwickle ein Growth Mindset als Trainerin und Schiedsrichterin.
Nicht immer läuft alles perfekt. Wie hilft ein Growth Mindset dabei, mit Fehlern, Druck und Kritik souverän umzugehen? Mit zwei praktischen Übungen setzten sich die Teilnehmerinnen ein persönliches Wachstumsziel für die nächsten 30 Tage.
Silja Hintz, Vice President Sportswear & Training Europe at adidas

Dein Pfiff. Deine Haltung. Deine Grenze. Mental stark als Schiedsrichterin.
Als Schiedsrichterin stehst du im Fokus: Du triffst Entscheidungen, zeigst Haltung und bekommst dafür nicht immer Applaus. Wie schaffst du es, bei dir zu bleiben, dich innerlich zu schützen und nach dem Spiel wieder abzuschalten? Der Workshop zeigte, wie man auf schwierige Situationen reagieren kann, ohne sich selbst zu verlieren.

Elisa Lierhaus, Sportpsychologin u.a. bei Alba Berlin, systemische Beraterin und Diversity-Trainerin
Gehört werden im Spiel. Deine Stimme in der Halle.

Als Trainerin oder Schiedsrichterin muss man klar und deutlich hörbar sein — laut genug für die Halle, ohne zu schreien. Denn eine starke Stimme beginnt nicht im Hals: Haltung, Atem und innere Ruhe sind die Basis. Mit praktischen Übungen stärkten die Teilnehmerinnen ihre stimmliche Präsenz, auch in stressigen Spielsituationen.
Antje Langnickl, Stimme Nürnberg
Dein Auftritt in der Halle: Körpersprache bewusst einsetzen.
Körpersprache entscheidet, wie man wahrgenommen wird — noch bevor man etwas sagt. In konkreten Situationen aus dem Sportalltag probten die Teilnehmerinnen, Räume bewusst einzunehmen: mit Haltung, Blickkontakt und Klarheit.
Flora Pulina, Theaterpädagogin, Schauspielerin & Regisseurin
Zusammenfassung auf Instagram (zusammen mit dem Stimm-Workshop)

Hören, sagen, wachsen – Feedback geben und bekommen.

Wie formuliert man Feedback klar und respektvoll — und wie geht man damit um, wenn man selbst eine Rückmeldung bekommt? Die Teilnehmerinnen probierten verschiedene Formen von Feedback aus und entwickelten ein bewusstes Verhältnis dazu.
Luisa Tillmann, Coach für Freude und Leichtigkeit im Job; Leadership & Team Effectiveness Director bei adidas
Zusammenfassung auf Instagram (kombiniert mit dem Werte-Workshop)
Die Power-Sessions – did you do your sports today?
Mittags ging es raus zum Sport. Zur Auswahl standen Kickboxen, Skateboarden und Bouldern — jeweils mit Coaches — sowie Paddel auf eigene Faust. Die Power-Sessions zeigten dabei alles, was Sport leisten kann: Ausgleich, Freude an der Bewegung, am gemeinsamen Ausprobieren und vor allem: Begegnungsraum. Viele haben genau dort neue Leute kennengelernt.






Das Kickboxen und generell alle Aktivitäten in der Mittagspause haben richtig Spaß gemacht — das war eine super tolle Idee.
Teilnehmerin im anonymen Feedback



Was die Teilnehmerinnen mitgenommen haben
Dreißig Teilnehmerinnen, verschiedene Altersklassen, unterschiedliche Erfahrungshorizonte — und doch zieht sich durch fast alle Rückmeldungen dasselbe Fazit: Wie toll, dass ich nicht alleine bin!
Ich habe heute gelernt, dass es richtig schön ist, eine Gemeinschaft zu haben, wo man sich mit jedem Einzelnen identifizieren kann. Und auch, dass man einfach richtig viel lernen kann voneinander.
J., Teilnehmerin
Dass man nicht alleine ist und dadurch viele Ansprechpersonen hat, die im selben Boot sitzen — und man somit immer jemanden hat, mit dem man sich austauschen kann.
S., Teilnehmerin



Das war für viele das stärkste Erlebnis: Ein sicheres Umfeld schafft Möglichkeiten zu wachsen. Plötzlich kann ich offen ansprechen, wie schwierig es ist, in eine Halle zu kommen, in der mir Kompetenz schon vor dem ersten Pfiff abgesprochen wird. Ich kann Fehler offen eingestehen, ohne dass ich dafür wiederum für inkompetent gehalten werde. Plötzlich muss ich mich nicht mehr beweisen, sondern darf selbstbewusst zeigen, was ich kann und wer ich bin.
In diesem Rahmen konnten die Workshops ihre volle Wirkung entfalten:
Für mich war das Highlight der Workshop von Elisa Lierhaus — hier konnte man mal richtig über sich und seine Position als Schiedsrichterin nachdenken und Erfahrungen austauschen.
Teilnehmerin im anonymen Feedback
Solche Sätze finden sich zu jedem der sechs Workshops: Ich konnte viel mitnehmen. Ich habe von den anderen gelernt. Ich weiß jetzt, dass … Die Referentinnen hatten ihre Workshops sehr praxisnah gestaltet — mit kurzen Inputs und viel Raum für Interaktion, Erfahrungsaustausch und Ausprobieren. Dass die Themen gut gesetzt waren, merkte man schon bei der Anmeldung: Growth Mindset oder doch Stimme, mehr über Feedback lernen oder resilienter werden? Am liebsten wären die Teilnehmerinnen überall dabei gewesen:
Es war so cool, sich auszusuchen, welchen Workshop man machen darf, weil es war so die Qual der Wahl – und ich hab mich aber gut entschieden.
C., Teilnehmerin
Vielleicht wäre es cool noch mehr so einen Austausch zu schaffen, in dem jede Gruppe erzählt, was sie mitgenommen hat? Weil es gab viele coole Angebote und man hätte gerne an mehreren teilgenommen …
Teilnehmerin im anonymen Feedback



Was wir als Organisator:innen gelernt haben
Die Altersrange von 14 bis 25 Jahren war ein bewusster erster Testballon, der aus unserer eigenen Arbeit bei Artio entstanden ist: Mit dem Projekt Girls for Girls bilden wir schon früh und umfassend Jugendliche als Schiedsrichterinnen und Trainerinnen aus. Es war schön zu sehen, dass es auch in anderen Vereinen Spielerinnen gibt, die sich so jung schon engagieren. Viele andere steigen als ältere Jugendliche oder junge Erwachsene ein oder machen schnell große Karriereschritte als Schiedsrichterin. Diese Vielfalt abzubilden war gewollt – ob sie funktioniert, haben wir gezielt im Blick behalten.
Was wir dabei gelernt haben: die Erfahrungshorizonte liegen zum Teil weit auseinander. Das Schöne daran: Viele erfahrenere Teilnehmerinnen haben sich in den Workshops spontan als Buddies gezeigt. Davon haben die Jüngeren enorm profitiert und konnten sehen, wo es für sie mit ihrem Engagement hingehen könnte. Auch die Referentinnen haben den Erfahrungsaustausch in den Workshops als sehr wertvoll beurteilt.
Trotzdem könnte man darüber nachdenken, extra Input für die Erfahrenen zu schaffen und vielleicht für eine der Workshop-Schienen eine Art Masterclass zu entwickeln.
Geschafft!
First Steps war für Artio das erste Event dieser Art — und es wurde von einem ehrenamtlichen Team gestemmt. Ohne die großartige Organisation von Doro vor Ort bei adidas wäre das nicht möglich gewesen. Dass wir es insgesamt so professionell aufziehen konnten, verdanken wir der Förderung durch die adidas Stiftung: Mit dieser Unterstützung konnten wir Top-Referentinnen gewinnen, auf dem adidas Campus für viele Wow-Momente sorgen und den Tag mit Sport, gutem Essen und professioneller Moderation und Content Production gestalten.

Ich bin super stolz auf uns als Artio, […] dass wir so ein Event organisieren können, dass es so viel Zuspruch gibt. Und dass das Thema so gesehen wird. Und wir auch wissen, dass die ganze Arbeit und die ganze Mühe, die wir so lange reingesteckt haben, sich einfach gelohnt hat.
Steffi, 2. Vorsitzende Artio
First Steps 2027?
Mit Freude, Stolz und Dankbarkeit blicken wir von Artio auf die erste Auflage von First Steps zurück. Das Format hat funktioniert und wurde gut angenommen. Eine Fortsetzung wäre toll — um noch mehr jungen Frauen in Verantwortung einen Raum zu geben, in dem sie wachsen und sich gegenseitig stärken können.
Weiterdenken könnte man vieles: eine Masterclass für Erfahrenere, die tiefer in spezifische Themen einsteigt. Eine Öffnung für Trainerinnen und Schiedsrichterinnen aus anderen Sportarten — die Inhalte sind keineswegs Basketball-spezifisch. Und Formate, die noch mehr Austausch ermöglichen. Denn was viele Teilnehmerinnen mitgenommen haben, war nicht nur Input aus den Workshops, sondern Kontakte, Gesprächspartnerinnen, Gleichgesinnte. Ein Netzwerk, das ihnen sagt: Du bist richtig. Du bist nicht allein. Und du bist auf einem Weg gemeinsam mit anderen.

Wir sind mit Basketball groß geworden und wollen den Sport aktiv mitgestalten. Mit der Gründung von Artio 2021 haben wir uns großartige Freiräume geschaffen, selbst zu wachsen und Frauen im Sport zu unterstützen. Gerne machen wir das für die Mädchen und Frauen bei uns im Verein, sehr gerne aber auch für die vielen tollen Frauen da draußen.
Credits

- An die adidas Stiftung für die Finanzierung, vor allem aber für die Möglichkeiten, die dadurch entstanden sind.
- Ben Ludwig fürs Großdenken und Türen öffnen.
- Doro Schmuck fürs immer mitdenken, organisieren, einschätzen, weiterdenken, machen und tun an allen Ecken und Enden.
- An die anderen tollen adidas-Menschen: Silja Hintz und Luisa Tillmann – für ihre Begeisterung, ihre lockere Art und 3 super Workshops.
- An Sabine Majcen und Katrin Isidor von adidas, die im Vorfeld mitgedacht haben.
- An die fantastischen, externen Referentinnen: Elisa Lierhaus, Antje Langnickl und Flora Pulina, die sich mit soviel Expertise und Ideen eingebracht haben.



- An Anne Bley für die fantastische Moderation, gute Interview-Fragen und unendlich viel Energie.
- An Lisa-Marie Guja für die professionelle, kreative und respektvolle Content Production.
- An Jenni Vorobiev und Kaspar Schmauser für das gute Mittagessen.
- An Living Hotels, in Persona Karin Schuldenzucker – für ihre unkomplizierte Art.
- Für die tollen Power-Sessions an Olaf Küsgens und Paulina Basmer (SkateCoach Fürth), Jana Münzenberg (Bouldern) und Alexander Lorenz (Kickboxing).
- Für die Unterstützung vor Ort an Barbara Pantenburg und Christi Friesen, die überall eingesprungen sind und tolle Bilder gemacht haben.
- An Chrysa Schelte für den finanziellen Durchblick und die immer schnelle und zuverlässige Abwicklung.
- An Steffi Friedrich und Conny Becker fürs Mitdenken in der Vorbereitung und das selbstverständliche Umsetzen vor Ort. Mit euch geht alles leichter von der Hand!
Zur Autorin:
Julia Harms
Julia ist der Kopf hinter First Steps — weil sie schon lange Mädchen und junge Frauen auf ihrem Weg begleitet und weiß, was es bedeutet, als Frau im Basketball ihren Platz zu finden. Als Mitgründerin und 1. Vorsitzende von Artio darf sie ständig erleben, welche Kraft echte Gemeinschaft hat – und gibt das gerne nach außen weiter: Damit noch viel mehr tolle Frauen mitspielen und gestalten.

